„Wegwerfartikel“ Rüstung

Todernster Witz

– In der Rillenstraße, einer nicht sehr kurzen Sackgasse, wohnen 93 Mietparteien in mehreren eintönigen Mehrfamilienhäusern und in einigen unterkellerten 3er-Einfamilienhäusern, die unter Fachleuten gern „Handtücher“ genannt werden: Jedes Haus in den Gruppen 6 Meter schmal und 12 Meter tief. Die Obergeschosse, damit sie nicht als Stockwerk zählen, im 45-Grad-Winkel und mit Gauben. Darüber dann – über eine Falltreppe etwas schwierig zugänglich – ein kleiner Spitzboden. Der übliche Konfektionsmist; billig herzustellen und teuer zu verhökern; in einigen Punkten nicht der vorgeschriebenen „Bauordnung NW“ entsprechend und trotzdem von der Behörde durchgewinkt.

In etlichen der Familien wird jedes Jahr hocherfreut ein fabrikneues Auto aufgenommen und liebevoll gepflegt. Glänzender Lack und funkelnder Chrom sind sichtbare Zeichen aufmerksamer Zuwendung. Störend wirkt in der Straße nur ein einziges Mobil mit stumpfem Lack und angelaufenen Zierleisten, oft auch mit verschmutzten Scheiben und allerhand Gerümpel im Innern. Es gehört einem Lehrer, einem „Ökopaxen“, der oft von „geplanter Obsoleszenz“, von„Nachhaltigkeit“, von„Ressourcenverschwendung“ und gewissenlosem „Konsumwahn“ schwafelt und nicht verstanden wird. Sein Auto sieht älter aus als er selbst; und die Leute mögen ihn nicht besonders.

Die Kinder aber in seinen Klassen vergöttern ihn: Wenn er in seinen flauschigen karierten Hemden, seiner ausgebeulten Cordhose und seinen Bart kraulend vor der Klasse auf und ab geht und laut vor sich hin denkt, ist es mucksmäuschenstill, damit auch keines seiner Worte in irgendeiner Unruhe ertrinkt. – Dabei stellt er sich selber eigentlich nur Fragen, die er sich selbst dann zu beantworten versucht. Nach zwei oder drei Fragen und Antworten bleibt er stehen, wendet sich zur Klasse, sieht über die Köpfe der Kinder hinweg durch alle Wände hindurch in irgendeine Ferne und fragt wie für sich hin: „Kann man daraus was lernen?“ Dann fliegen die Hände hoch. Er ist ein Lehrer, der seinen Schülern Fragen stellt. Bei den Versuchen, diese Fragen zu beantworten, lernen die Schüler von einander und zusammen mit dem Lehrer in oft leidenschaftlichen Diskussionen.

Der Lehrer ist wegen seines verkommenen Autos, seiner lässigen Kleidung uns seines Talentes, mit Schülern umzugehen, die einzige erwähnenswerte Person in der Rillenstraße. Die anderen Anwohner sind nichts Besonderes. Zwei durchschnittliche Anwälte sind dabei. Es gibt einen stämmigen Maurer, einen hilfsbereiten Automechaniker, einen SAP-versierten Programmierer, zwei Verkäuferinnen und eine Menge Bewohner in anderen ganz gewöhnlichen Berufen. Nur wenige Leute reden auch mal länger mit einander, wenn sie sich begegnen. Man kennt sich kaum.

Doch einmal im Jahr treffen sich die volljährigen und berufstätigen Anwohner der Sackgasse zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Entscheidung. Sie müssen dann darüber befinden, welches Auto sie gemeinsam kaufen und – entsprechend ihrem Einkommen – anteilig bar bezahlen, um es dann an einer Sammelstelle abzuliefern, von der aus es in irgendwelchen ungewissen Kanälen ohne zweckmäßige Verwendung verschwindet. Irgendwann einmal wird es dann verschrottet, ohne je als Transportmittel jenen zu nutzen, die es bezahlt haben. Genau genommen entscheiden sie nicht einmal über das Auto, sondern nur über die Zustimmung ihres Vertreters, der in die Beschaffung irgendwie eingebunden ist. Irgendwie kompliziert und deshalb auch nicht hinterfragt.

Das geht jedes Jahr so. Und keiner muckt auf. Das war schon immer so. Und es wird wahrscheinlich auch in alle Zukunft so sein.

Der Irrwitz in der realen Welt

Klingt haarsträubend. Ist aber so. Man braucht nur das Wort „Auto“ durch „Rüstungsgüter“ zu ersetzen und die jährliche Kollekte durch „laufende Steuerzahlungen“. Es ist nämlich so, dass aus den gezahlten Steuern und aus den Mitteln durch enorme Kreditaufnahmen, also Verschuldungen, ständig Produkte zum Töten und Zerstören angeschafft werden. Diese Produkte veralten, werden durch neue Rüstungsprojekte von potentiellen Gegnern minderwertig und müssen durch modernere Produkte ersetzt werden.

Zur „Verteidigung“ des eigenen Volkes werden diese Produkte mangels Krieg nicht benutzt. Sie haben nur gekostet und kosten weiterhin, ohne je – außer bei Übungen – ihren Zweck zu erfüllen. Ein noch heute erschütterndes Beispiel lieferte das von Franz-Josef Strauß der BRD aufgedrückte Kampfflugzeug Starfighter F-104, auch „Witwenmacher“ genannt: Von den zwischen 1960 bis 1991 angeschafften 916 Jägern stürzten 292 Maschinen wegen technischer Mängel  ab. 116 Piloten wurden dabei in den Tod gerissen. Und das alles, ohne dass der deutsche Starfighter je einen „Feindeinsatz“ geflogen hatte. Er steuerte eine Episode teuren, nutzlosen, tödlichen Spielzeuges für die Militärs bei und kostete viele verschwendete Milliarden.

Zum Ausgleich dafür flogen deutsche Tornados um die Jahrtausendwende auf dem Balkan rechtswidrige Angriffe im Kosovo-Konflikt.

Billiger und besser?

Billiger würde es sein, jedem volljährigen und mündigen Bürger eine Maschinenpistole oder ein Schnellfeuergewehr samt ausreichend Munition in die Hand zu drücken und abzuwarten, was sich tut. Keine Jagdbomber, keine missratenen Truppentransporter, keine untauglichen Drohnen, keine Panzer, keine Schiffe, keine Kasernen… – nur von Zeit zu Zeit etwas Drill auf nahegelegenen Übungsplätzen. Als Belohnung gibt es einen kleinen nicht anrechenbaren und steuerfreien Sold, der eine Art Grundsicherung aller wehrfähigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sein könnte.

Dann wären Abenteuer wie in Afghanistan oder in Syrien wohl kaum akut geworden. Nur bei einem Angriff auf deutschem Boden hätte aus jedem Fenster ein finaler Verteidigungsschuss gedroht. Eine riesige und nahezu omnipräsente „Partisanenarmee“ als legale reguläre und asymmetrisch agierende Streitmacht. Dazu noch geschickt platzierte Sprengfallen riesigen Kalibers… – da mag einem Angreifer schon ganz schön mulmig werden.

Zur Zeit geht es anders zu. Da spricht die Politik zahlreicher Staaten von „Bedrohungen“ durch andere Staaten. Wer gerade wen bedroht und ob nur eingebildet oder tatsächlich – egal Karl, „man“ muss prinzipiell gewappnet und auf das Schlimmste gefasst sein. Dazu braucht man zwingend Menschen und Material zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Die Amerikaner und die Russen, vielleicht auch die Chinesen haben zudem militärisches Spielzeug auch im Weltraum um die Erde kreisen. Aus Argwohn. Zum Spionieren. Taktisch gewiss auch als Zielerfassungsgeräte.

Wer sind die Akteure?

Es gibt nur zwei:

Die Militärs und die Rüstungsindustrie.

Die Politik agiert nur beschränkt als gehirngewaschene Genehmigungs- und Beschaffungsbehörde sowie als willfähriger Finanzier.

Aufgabe der Politik ist es, als im Prinzip Ahnungslose die Wünsche der Militärs zu „prüfen“ und letztendlich nur abzunicken. Dazu hat sie auch noch die Finanzierung sicherzustellen. Zu diesem Zweck langt sie einfach den Bürgern in die Tasche.

Bleiben also auf der einen Seite die Militärs, die ihre Angst- und Machtphantasien ausleben dürfen. Angst vor Bedrohungen und Handlungen eines denkbaren Feindes. Dazu die denkbare Macht, den Spieß vielleicht auch umkehren und einen Feind schlagen zu können. Vorab und in jedem Fall zählt die Herrschaft über eine Menge Material und über Menschen, die zu Kadavergehorsam verpflichtet sind und sogar ihr Leben zu opfern haben, wenn eine „Lage“ es verlangt und ein Schicksal es so will, dass für das „Vaterland“ gestorben wird. Lebendige Menschen, Söhne und Töchter politisch missbrauchter Eltern, als billige längs- und parallel-schaltbare Roboter für staatlich organisierten Mord an missliebigen Mitbewohnern dieser Erde.
Unfassbar!
Aber total normal. – Und angesichts ebenfalls mörderischen Hungers in dieser Welt (schon 2011 und davor!) auch ein Gegenstand maßloser Verschwendung. (Auch HIER.)

So starben deutsche Soldaten der Bundeswehr, ohne dass die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen war, am „Hindukusch“ (هندوکش; übersetzt „Hindu-Mörder“) aus devoter Gefälligkeit gegenüber einer Weltmacht. Diese hatte dort einen Angriffskrieg angezettelt, um sich für Terroranschläge zu rächen. Bei denen argwöhnen nicht wenige Kenner schmutziger weltpolitischer Tricks, dass es sich in Wahrheit um einen „Inside-Job“ handelte. Mit dem mochten die Amerikaner unter dem Label „WAR ON TERRORISM“ eine Nachbrenner zünden, der eine beliebige militärische Durchsetzung ihrer Macht- und Einflussinteressen in wichtigen Weltregionen beschleunigen sollte. Dass es dabei vor allem um die Sicherung des Zugriffs auf riesige Erdölvorkommen gehen sollte, wurde mehr als deutlich. Als die Amerikaner später im Irak-Krieg Bagdad erstürmten, besetzten und sicherten sie durch einen Ring von Panzern das Energieministerium, während sie das weltweit bekannte Nationalmuseum Plünderern überließen.

Langfristiger Spaßfaktor Hoffnung

Hunderte Millionen wertvoller Euros aus Steuerzahlers Taschen hat das deutsche Verteidigungsministerium anhand einer völlig untauglichen Drohne namens „Euro Hawk“ vergeigt. Das Geld landete in den USA und sicherte dort Arbeitsplätze bei einem Unternehmen, das nicht einmal Dokumentationen zu dem „Spaßvogel“ herausrückte.

Nach diesem Desaster sollte das Thema Drohne abgehakt sein. Etwa notwendige „Aufklärungen“ könnten ja NATO-Bündnispartner liefern; z.B. die Amerikaner. Denen sollen aber wieder (vermutlich) Milliarden Euros zufließen und Arbeitsplätze im Sinne von Donald J. Trump gesichert werden, weil jetzt gleich drei Drohnen angeschafft werden sollen. Sie heißen nun „TRITON“. Die Süddeutsche schrieb dazu: „Die Planer sehen offenbar eine deutlich bessere Chance, die Drohne tatsächlich zuzulassen. So verfüge der Triton im Gegensatz zum Euro Hawk beispielsweise über eine Enteisungsanlage, einen Blitzschutz sowie Schutz vor Hagel und Vogelschlag. Entscheidend sei aber, heißt es im Ministerium, dass diesmal eine umfassende technische Dokumentation vorhanden sei – anders als einst beim Euro Hawk.“

Nicht lachen! – Dazu ist später noch Zeit. Denn die erste der drei Drohnen soll erst im Jahre 2025 fliegen. In der Zwischenzeit wurde bei der Bundeswehr ein Luftfahrtamt geschaffen. Dieses „hofft“, dass ISIS, das Aufklärungssystem und damit Kernstück der Triton-Drohne, wahrscheinlich kann, was es können soll. Dessen ist man nicht sicher, eine Erprobung war noch nicht möglich und ist deshalb auch noch nicht abgeschlossen.

Sicher ist nur, dass wieder einmal ein deutscher Geldregen auf den US-amerikanischen Bündnispartner hernieder prasselt. Die zwei Prozent vom Bruttosozialprodukt, die laut NATO-Vertrag in die „Verteidigung“ fließen sollen, wurden von der BRD bei weitem nicht geliefert. Die Amerikaner pumpen 3,4% vom BIP in die Rüstung… – und damit doppelt so viel Geld wie alle restlichen Staaten der Welt zusammen: fast 600 Milliarden US-Dollar. Deutschland bringt mit rund 37 Md. Euro nur 1,2% BIP zur „Verteidigung“ auf. Da fehlen also 24 Md. Euro (pro Jahr!), von denen man auch etwas in den TRITON stecken könnte. In der Hoffnung, dass das Ding auch funktioniert.

Kopfkino

In den Händen der (neun!) Atommächte befinden sich über 15.000 Atomsprengköpfe. Die Amerikaner und die Russen verfügen davon über die meisten. Nicht zur Explosion vorgesehen sind rund 450 Atomkraftwerke. Sie können jedoch, wie Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima bewiesen haben, zu tödlicher Gefahr werden.

Man stelle sich nun einmal vor, dass die „westlichen Mächte“ sich in politischen Gesprächen total verheddern und der jetzt schon wieder ausgebrochene „Kalte Krieg“ völlig eiskalt wird. Direkte Drähte zu russischen Militärs zwecks Verhinderung einer vielleicht auch „irrtümlichen“ Auslegung einer militärischen Operation als „Angriff“ wurden von der NATO gekappt. Russland fühlt sich nun permanent durch eine NATO-Umzingelung vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer als bedroht. An einem bestimmten Tage passiert nun das Unglück, dass sich durch einen Programmierfehler eine im Westbaltikum stationierte „taktische“ Atomwaffe aus US-Beständen von ihrer Rampe entfernt und Richtung Russland davon zischt. Es handelt sich bei der Bestückung um einen „modernisierten“ Sprengkopf. Die Modernisierung sollte bewirken, dass man nicht einen schweren Atomschlag benötigt, um ein Ziel zu vernichten, das im Wirkungsbereich der Bombe liegt, sondern dass man mit geringerer atomarer Sprengkraft auskommt, weil man Ziele angeblich nun punktgenau treffen kann.

Eine solche Rakete macht sich nun davon. Ihr Ziel ist weitgehend unbekannt, weil es noch nicht präzisiert worden war. Die Russen blitzschnell zu informieren, während das Ding noch fliegt, ist unmöglich. Die NATO-„Dienstwege“ verfransen sich und bringen nichts. Das NATO-Hauptquartier will den US-Präsidenten informieren (wozu?) und landet nur in Vorzimmern. Ein DPA-Korrespondent, der gerade die Raketeneinheit besucht, kriegt (vertraulich) Wind von der Sache und ruft über Handy einen Kollegen in Moskau an, während die Rakete noch fliegt. Dieser Kollege hat einen bombig guten Draht zum Kreml und steckt einem hohen General die Botschaft von dem „Versehen“. Dieser General knurrt nur, hat sowieso von der Aufklärung schon Kenntnis von dem „Angriff“ und das „Notwendige“ veranlasst, nämlich russische Abschussbasen in Alarmbereitschaft versetzt.

Zu allem Unglück hat die NATO eine nahe der Krim kurvende Drohne nach Norden abdrehen und in russisches Territorium eindringen lassen, um „auf Teufel komm raus“ vielleicht zu erfahren, wo die Rakete einschlägt. Dadurch haben die Russen nun zwei Ziele auf dem Radar und fühlen sich jetzt doppelt angegriffen. Einen direkten Gesprächsdraht zwischen dem Westen und Russland gibt es noch immer nicht.

Und dann passiert es: Bei  51°23’19.85″Nord / 30° 5’41.67″Ost schlägt die „taktische“ Atomwaffe ein, durchdringt ein „Containment“ sowie ein darunter umschlossenes altes Abschirmkonstrukt und geht in einem havarierten Atomreaktor hoch, der schon einmal – im Jahre 1988 – Schlagzeilen gemacht hatte. „Tschernobyl 2.0“ entlässt jetzt tonnenweise hochradioaktive Substanzen, die sich wegen ständig drehender Winde über ganz Nordeuropa verteilen.

Erst Schockstarre, dann…

Das Internet stellt an Geschwindigkeit zur Verbreitung an Informationen und nicht selten auch an Wahrheitsgehalt alles in den Schatten. Alle Regierungen in der EU entlassen nur laue Presseerklärungen, die eigentlich nur erklären, dass man noch „prüfen“ müsse, ehe man näher auf den versehentlichen Abschuss einer Rakete eingehen könne.

Bei Twitter überstürzten sich mit Fakten gespickte Meldungen. Der Atompilz und die Wolke über Prypjat wurden als Schnappschuss und als Video übermittelt. Jemand hatte mit seinem Smartphone auch den Abschuss der Unglücksrakete erwischt. Andere Bilder vermitteln einen Eindruck von Fluchtbewegungen in Autokolonnen auf überfüllten Verkehrswegen in Richtung Süden der Ukraine. Kaum jemand bewegt sich in Richtung Norden auf Russland zu.

Fast alle russischen Tweets verdächtigen die Imperialisten eines heimtückischen Angriffs auf das friedliebende Russland. Von der russischen Regierung selbst aber kein Kommentar. Im Fernsehen wird die nüchterne Nachricht wiederholt, die Amerikaner hätten vom Baltikum aus eine nuklear bestückte Rakete auf die Ukraine abgeschossen, aber Kiew als Hauptstadt dabei verfehlt. Im Kreml sei ein Verteidigungsrat unter Putins Nachfolger zu Beratungen zusammengetreten. Reporter zeigten Menschen auf dem Roten Platz, die wild entschlossen forderten, „endlich“ den „Kriegstreiber“ USA in Schutt und Asche zu legen. Andere Bürger forderten, durch Weißrussland und das „abtrünnige Polen“ hindurch die EU-Staaten mit Panzern zu überrollen. Zwischen den Nachrichten sind immer wieder im Wechsel verschiedene Kosaken-Chöre zu bewundern.

Im westlichen Fernsehen wird permanent das „tragische Versehen“ bedauert. Weil es aus Russland keine offiziellen TV-Bilder gibt, wiederholen sich ständig Zitate aus Twitter und Facebook. Der amerikanische Präsident ist immer wieder mit einem kurzen Statement zu sehen. Er versichert, amerikanische Atomraketen seien bekanntermaßen auf alle Hauptstädte der Welt gerichtet, um alle Staaten anzuhalten, permanent auf die großen Atommächte – insbesondere jedoch auf die Russen – einzuwirken, auf keinen Fall die USA anzugreifen. Denn das würde zum Ende der Welt führen.

…der Schock

Während die Medien noch wild spekulieren und die Politiker sich in nichtssagenden Erklärungen winden, schlägt in die Fulda nahe der Bundesautobahn 44 zwischen dem Kreuz Baunatal und der Autobahn 7 mittags eine Atombombe ein; wahrscheinlich eine Wasserstoffbombe sehr großen Kalibers. Der Explosionspilz ist ungewöhnlich mächtig und dunkel, er raubt der Stadt Kassel erst sämtliches Sonnenlicht, ehe nach allen Seiten ein infernalischer Sturm losbricht und alles niedermäht. Die mächtige Herkules-Statue kippt um wie ein Streichholz. Auch das Volkswagenwerk in Baunatal gibt es nicht mehr. Nach einiger Zeit führt die Fulda durch die zerstörte Stadt kein Wasser mehr. Anscheinend hatte die Bombe bunkerbrechende Eigenschaften, sie drang tief in den Boden unter dem Fluss ein und detonierte erst dort. Das aufgeworfene Erdreich um den großen Krater staute die Fulda an, die nach Süden hin über die Ufer zu treten begann, um immer mehr Land zu verschlingen.

Direkt nach der Explosion lässt die russische Regierung verbreiten, dieser Atomschlag sei „eine 1:1-Vergeltung für den Angriff in Richtung der Wiege Russlands“. Es werde bei dieser einmaligen Bombardierung bleiben, falls die USA keine weiteren Angriffshandlungen vornehmen und sofort damit beginnen, sämtliche NATO-Truppen aus jenen Staaten abzuziehen, die nahe Russland liegen, also aus dem Baltikum, aus Polen und aus den südlicheren Staaten bis hin zur Türkei. Russland werde unverzüglich einen entsprechenden Antrag im Sicherheitsrat der UNO einbringen und erwarte eine entsprechende Entscheidung. Die einzige Alternative dazu sei ein Regen von Atomsprengköpfen auf die USA, auch wenn Washington damit drohe, dann alle Hauptstädte der Welt atomar zu zerstören und den Globus unbewohnbar zu machen. Die Entscheidung liege jetzt einzig bei Washington. Moskau habe das Notwendige gesagt.

Die Generäle im NATO-Hauptquartiert begegnen sich vorwiegend mit betretenem Schweigen. Es gibt keinen Plan A, keinen Plan B und überhaupt nichts, das die gegenwärtige Situation planvoll einschließt. In der Bundesrepublik Deutschland sind wichtige Achsen für jede Art von Verkehr ausgefallen. Messflugzeuge und Spezialballons melden dramatische Radioaktivität über Norddeutschland, Dänemark und der Ostsee bis nach Schweden und Finnland hinein. Fast alle Fluglinien haben ihre Maschinen aus verseuchten Lufträumen zurückgezogen und irgendwo in Westeuropa geparkt… – sogar auf eigens abgesperrten Autobahnabschnitten (die allerdings als Notpisten für das Militär vorbereitet waren). Nur die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt und München sind noch voll in Betrieb und melden erschreckende Zustände. Im Zugverkehr der Deutschen Bahn sagt der Fahrplan kaum noch verbindliche Zeiten an. AMAZON meldet seit dem Ausfall von Bad Hersfeld und eines großen Teils des DHL-Fuhrparks einen „Zwang zu erheblichen Einschränkungen“.

Ein riesiges Gebiet um Kassel herum wird zu einem militärischen Sperrgebiet erklärt. Rund 10.000 Quadratkilometer Deutschland sind abgesperrt und stehen auch unter Quarantäne.

Fallrückzieher der Medien

Die Medien scheinen nach einer Schrecksekunde wie verwandelt. Die Druckausgaben verschiedener Zeitungen sind vielerorts an den Kiosken nicht zu erhalten. Generell sind sie auffällig abgemagert. Anzeigen aller Art sind kaum noch zu finden. Inhaltlich unterscheiden sich die Blätter kaum, weil alle Zeitungen sich hauptsächlich bei Reuters und anderen Agenturen bedienen. Die Online-Medien bieten kostenlos nur noch magere Kurzmeldungen. Blitzartig haben sie auf Bezahldienste umgeschaltet und damit sogar einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Wer wirklich informiert sein oder zumindest glauben möchte, angemessen unterrichtet zu werden, zahlt jetzt. Die Zahl der Abonnenten etwa der „Süddeutschen“ schoss raketenartig in die Höhe. Auch „alternative Medien“ haben Hochkonjunktur, sind allerdings weiterhin kostenlos zu besuchen.

Knapp wurden in einigen Orten nur das Bargeld in den Bankautomaten und das Angebot in den Lebensmittelabteilungen etlicher Supermärkte und Discounter. Merkwürdigerweise ebbte die Neigung zu Hamsterkäufen jedoch schnell ab. Auffällig: Das Internet funktioniert wie eh und je und bis auf wenige Ausnahmen im Sperrgebiet funktioniert auch wieder die Stromversorgung. Die Regierung hat lediglich dekretiert, dass im öffentlichen Raum der Stromverbrauch zu Werbezwecken drastisch einzuschränken ist. Die Straßenbeleuchtungen unterliegen dagegen keinerlei Auflagen. Es gab auch keinen Aufruf, Treibstoffe zu sparen. Die Autos fahren wie eh und je, anscheinend jedoch wegen der sprunghaft angestiegenen Benzinpreise nicht so häufig. Täuscht es, oder ist der Verkehr weniger dicht? Jedenfalls haben sich nach dem Aufruf großer Unternehmen an ihre Belegschaften deutlich mehr Fahrgemeinschaften gebildet. Auch reichen an den Bahnöfen bei „Park & Ride“ die Stellplätze kaum noch aus, und die Züge sind häufig erheblich überfüllt.

Das Leben geht weiter. Einige Schulen und Kindergärten in unmittelbarer Nähe des Sperrgebiets sind aber geschlossen. Der Grund: Viele Lehrer und Kindergärtnerinnen wohnen im Sperrgebiet und sitzen dort fest. Einige Journalisten bemerkten in einem TV-Presse-Talk, die Regierung habe wohl „mit einer großen Keule zuschlagen“ müssen, um Chaos zu vermeiden. Von der üblichen „politisch korrekten“ Herumdruckserei keine Spur. Es wird offen eine merkwürdige Ratlosigkeit beklagt. Man tut so, als sei in Deutschland „nur“ ein Atomkraftwerk explodiert wie seinerzeit in Fukushima. Kritik an Putins Nachfolger wird kaum geübt. Es sei ja, heißt es, mit der Freisetzung der gesamten nuklearen Reaktorladung von Tschernobyl eine unfassbare atomare Verseuchung weiter Gebiete verursacht worden. Insofern seien die Folgen des Gegenschlages eher vergleichbar, wenn auch nicht vertretbar. Es hätte, wenn auch keine genannt wurde, eine andere Lösung angestrebt werden sollen, um das gesamte Ausmaß der jetzt doppelten Katastrophe zu vermeiden.

Niemand hatte geglaubt, dass nach einem so schweren nuklearen Schlag um die Zerstörungszone herum alles einfach weiterlaufen würde. Ein RTL-Reporter hatte das gesamte Sperrgebiet umkreist. Er berichtet, es habe nur kurzzeitige Stromausfälle etwa in den Bereichen um Marburg, Brilon und Fulda oder Goslar herum gegeben. Was ihm besonders auffiel: Die starke Präsenz amerikanischer Truppen um das Sperrgebiet herum. Anscheinend hatten die Amerikaner sogar das alleinige Sagen. Und alles, was sich in der Luft bewegt, trägt nach seiner Aussage amerikanische Hoheitszeichen. Die deutschen Militär- und Polizeitruppen seien nur am Boden tätig. Was sich im Sperrgebiet tut, ist weitgehend unbekannt. Lediglich CNN berichtet mit Bild und Ton. Die Zerstörungen werden nur von weitem in Großaufnahmen gezeigt; in Nahaufnahmen sieht man vor allem Menschen, die überlebt haben und Hilfsangebote annehmen. Dankbare Menschen…

Plötzlich sind auch gute Nachrichten in Mode

ARD und ZDF sind anscheinend „nur noch konsterniert“, wie der SPIEGEL schreibt. Üblich sind sonst Dauersendungen mit zahlreichen Live-Reportagen von verschiedenen Orten. Nun aber werden zwischen den Nachrichten vorwiegend Heimatfilme, Reisereportagen, historische Betrachtungen und Haushalt-Ratgeber gesendet. In den Lokalsendungen erfährt der Zuschauer wie sehr alles „trotz einiger Probleme gut funktioniert“. PHOENIX hat die glorreiche Idee, alle drei Stunden für 30 Minuten die News von CNN zu übernehmen und eine Übersetzung beizusteuern. Dazwischen gibt es „Die Alpen von oben“, „Der Rhein von oben“, „Schlösser an der Loire“ oder in den Nachtstunden bedrückende Erinnerungen an Hitlers Drittes Reich.

Kritik kommt jetzt auf an den Rüstungsanstrengungen, die unter einer CDU-Ministerin nach den rabiaten Forderungen des US-Präsidenten Trump eingeleitet wurden. Was, so wird gefragt, soll die deutsche Marine mit den drei neuen Korvetten ausrichten? Oder mit Marine-Helikoptern, die über See nicht fliegen dürfen? Rausgeworfenes Geld! Und die erste der drei in den USA bestellten Drohnen funktioniert zwar nicht wie erwartet, kommt mit ISIS nicht klar wie „erhofft“, kostet aber bereits das Doppelte des vorgesehenen Preises. Was ist mit den zwei weiteren Drohnen? Besonders aber wird danach gefragt, was die Modernisierung der nuklearen US-Sprengköpfe gebracht hat, die im deutschen Büchel lagern. Gehörte etwa der „verirrte“ Ausreißer zu den angeblich präziser funktionierenden „modernisierten“ Atomwaffen? War die Reaktion der Russen, ein Ziel in der Bundesrepublik auszuwählen, dadurch motiviert, dass US-Atomsprengköpfe auf deutschen Boden lagern? – Schließlich die immer wieder vermiedene, nun aber fast unausweichliche Frage: Ist die Bundesrepublik überhaupt wirklich souverän?

Die gleichen Journalisten, die zuvor nicht durch „unpassende“ kritische Anmerkungen auffallen wollten, ziehen nunmehr in Zweifel, was sie früher wohlwollend ignoriert hatten. Jetzt auf einmal beklagen sie den „Politsprech“, der mit vielen Worten nur nullwertige Aussagen produziert, von einfachen Menschen nicht verstanden wird und sich nur täuschend so anhört, als würde sich jemand mit einem Thema ernsthaft befassen.

Ein Nerv wird getroffen

Schließlich kommt die Frage auf und durchflutet alle Medien:

  • Hätten die Russen ihre Atombombe auch dann auf die BRD gerichtet, wenn die deutschen Regierungen nicht über Jahrzehnte wie Marionetten an den Fäden der Amerikaner gezappelt hätten?
  • Hätten die Deutschen ab- statt aufgerüstet, hätten sie sich nicht an NATO-Abenteuern bei der Umzingelung des Ostblocks beteiligt und hätten sie sich am Hindukusch herausgehalten, hätten sie nicht auf dem Balkan und über Syrien ihre Tornados von der Leine gelassen… – hätten die Russen sich auch dann Deutschland für den Vergeltungsschlag ausgesucht?
  • Was wäre ohne die übermächtige Präsenz der Amerikaner auf deutschem Territorium gewesen und als Ziel für die Russen infrage gekommen? – Oder anders: War mit dem Vergeltungsschlag zum Schaden der Bundesrepublik Deutschland nicht indirekt die USA gemeint?

Schwierige Fragen, auf die es nun überraschende Antworten gibt. Ein Journalist stellt in den Vordergrund, dass Deutschland zu einem der größten Waffenexporteure wurde; und immer wieder sei auch in Krisengebiete geliefert worden. Auf sehr windige Art und Weise sei auch die Herstellung deutscher Waffen im Ausland gefördert worden. Im Presseclub bricht ein Sturm los, als ein Schweizer Korrespondent behauptet, die eigentliche Macht in der Welt gehe von den Militärs aus und die eigentliche Schlüsselindustrie sei die Rüstungsindustrie mit der Produktion von Schiffen, U-Booten, Panzern, Flugzeugen, Drohnen, flugtauglichen Fernlenk-Bomben und jeder Art von Bewaffnung am Boden. Er erinnert an Eisenhowers Warnung vor dem militärisch-industriellen Komplex, der von den USA aus die politische Weltmacht an sich gerissen habe und die eigentliche „Bedrohung der Welt“ darstelle. Diese komme nicht, wie unablässig gepredigt, von außen, um Ängste auszulösen, sondern von innen her, von den Militärs, von der Rüstungslobby und von der eigenen Regierung.

Erst Verwirrung, dann Protest, anschließend Protest gegen den Protest, schließlich eine lässige Bemerkung, was denn sei, wenn es moderate Waffen nur gebe, um den Frieden innerhalb von Staaten zu sichern, jedoch keinen Waffen, um andere Staaten zu bedrohen und auch tatsächlich anzugreifen. – Nun ja, so sei sie Welt eben nicht, und man müsse sich gegen „jede Bedrohung von außen“ angemessen schützen können…

Die Rüstungsindustrie kann aufatmen, ihr droht keine Gefahr.

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©2017 by M.Grosner/mlskbh/BrainWare

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